CMS: WordPress und TYPO3 im direkten Vergleich

Ab und zu werden wir gefragt, warum wie bei unseren WaaS-Produkten (für Websites und Webshops) auf WordPress und nicht TYPO3 setzen. Die kurze Antwort darauf lautet: weil WordPress über die meisten Plugins (für alle erdenklichen Anforderungen) aller Content Management Systeme (kurz: CMS) verfügt, das benutzerfreundlichste CMS ist und außerdem das einzige CMS ist, welches out-of-the-box über eine vollständige SEO-Grundoptimierung verfügt.

Ein weiterer guter Indikator für den Unterschied in der Beliebtheit von WordPress und TYPO3 ist die Suche bei Google Trends. Dabei stellt 100 den höchsten Wert dar. Wie man an der nachfolgenden Grafik deutlich erkennen kann, besteht in Österreich ein deutlich größeres Interesse hinsichtlich WordPress. TYPO3 ist vor allem im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich und Schweiz) verbreitet, wie die Statistik von BuiltWith genau zeigt. In der nachfolgenden Grafik wird außerdem aufgezeigt, dass nur etwa 10% aller Websites in Österreich auf TYPO3 aufgebaut sind, während nahezu ein Drittel auf WordPress vertraut.

Google Trends WordPress vs TYPO3

Nachfolgend will ich die beiden CMS noch genauer hinsichtlich der wichtigsten Punkte im Bezug auf eine Unternehmensentscheidung vergleichen.

Benutzerfreundlichkeit

Ich persönlich habe mehrere Jahre lang bei vielen Kundenprojekten mit TYPO3 (ab Version 6.2.) gearbeitet und kann daher aus persönlicher Erfahrung sagen, dass es als Nicht-Entwickler viel schwieriger ist, sich im Backend von TYPO3 einzufinden. Um ein System auf die notwendigen Wünsche des Kunden einzustellen, benötigt man mehr als nur Grundkenntnisse und sehr häufig die Unterstützung eines Entwicklers.

Für viele TYPO3-Neueinsteiger ist zunächst auch die meiner Meinung nach etwas unlogische Backend-Darstellung ein gravierendes Problem. Während es für das Backend von WordPress eine einzige Ansicht gibt, verwirren bei TYPO3 die verschiedenen Menüpunkte einen Neueinsteiger meistens doch ziemlich. Beispielsweise können in der Seitenansicht andere Einstellungen getätigt werden als in der Listenansicht (und vice versa).

WordPress beruht auf einem RTE (Rich Text Editor) und diverse Pagebuilder (z.B. Visual Composer, Divi oder DragDropr) können eingebunden werden, bei denen man eine Seite via drag&drop zusammenstellen kann. Bei TYPO3 baut man eine Seite hingegen über verschiedene Elemente (Headlines, Texte, Bilder, Tabellen usw.) zusammen. Dies erfordert bei komplexeren Seiten mitunter viel Logik bei der Zusammenstellung, da man nicht sofort eine Vorschau der Änderungen sieht, sondern diese manuell anzeigen lassen muss.

Setup, Hosting & Wartung

Es gibt in Österreich leider nur relativ wenige wirklich qualifizierte Entwickler, welche das CMS vollständig verstanden haben. Diese finden sich zumeist in den Ballungszentren wie Wien, Linz oder Graz. Daher übersteigt die Nachfrage an diesen Entwicklern auch meistens das Angebot, was gerade bei der Arbeit mit externen Agenturen oder Freelancern zu Verzögerungen bei laufenden Projekten führen kann. Auch eine Übergabe einer TYPO3-Instanz von einer Agentur an eine andere ist dementsprechend schwierig, vor allem wenn viele Individualisierungen durchgeführt wurden und z.B. eine Kompatibilität von anwenderspezifischen Plugins hergestellt werden muss.

Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen kann TYPO3 beim Setup und der laufenden Wartung mitunter ein technischer Overkill sein. Das Update des Core (in der sich alle zentralen Features des CMS befinden) ist relativ aufwändig und muss zwingend durch einen Entwickler mit langjährigen Kenntnissen durchgeführt werden – vor allem wenn die bestehende Version schon etwas veraltet ist. Nach drei Jahren endet der Support in den LTS-Versionen (long term support), ab diesem Zeitpunkt werden für eine Version keine Core-Updates oder Bugfixes mehr auf den Markt gebracht (siehe auch nachfolgende Grafik). Das CMS wird daher zum einen veraltet und zum anderen anfällig gegenüber Angriffen von außen.

Außerdem ist die Modularität und Erweiterbarkeit auch ein Faktor, dass die Anforderungen an einen performanten Server deutlich höher sind als bei WordPress, was für ein Unternehmen höhere monatliche Server- und vor allem Wartungskosten zur Folge hat.

Versionen von TYPO3

Plugins & Erweiterungen

Wie bereits eingangs erwähnt, gibt es bei WordPress eine nahezu unendliche Anzahl an Plugins für alle Zwecke. Aufgrund der riesigen Entwicklercommunity (welche am letzten Wochenende auch beim WordCamp Vienna 2018 in Österreich halt machte) werden diese ständig getestet und weiterentwickelt. Daher gibt es bei allen wichtigen Plugins keinerlei Kompatibilitätsprobleme, wenn eine neue Version des WordPress CMS herauskommt. Dadurch können diese Plugins auch durch den Content Manager oder Marketer selber upgedated werden, die Abwicklung dieses Prozesses durch einen Entwickler (wie bei TYPO3) fällt somit weg.

Derzeit gibt es 1236 offizielle Erweiterungen für TYPO3 7 LTS sowie 784 für TYPO3 8 LTS (Quelle: https://extensions.typo3.org/). Im Gegensatz dazu findet man bei WordPress aktuell 54.878 verschiedene Plugins, also knapp 27x so viele (Quelle: https://de.wordpress.org/plugins/) wie bei TYPO3.

TYPO3 ist kein Shopsystem

Während es bei WordPress aufgrund der unzähligen Erweiterungen (wie z.B. WooCommerce, German Market, Stripe) auch für Kleinstunternehmen leistbar ist, einen Webshop zu betreiben, ist bei TYPO3 das genaue Gegenteil der Fall. Mit Aimeos, TYPO3 Multishop oder Quickshop gibt es zwar einige Erweiterungen auf dem Markt – ich persönlich kenne allerdings kein größeres Unternehmen, welches TYPO3 als CMS für einen Onlineshop verwendet. War es früher noch häufig normal, dass Website und Webshop auf getrennten Domains liefen, so ist dies im Jahr 2018 im Bezug auf SEO ein riesengroßer Nachteil. Daher ist TYPO3 auch ein absolutes No-Go, wenn ein Unternehmen seine Onlinepräsenz auf einer Seite bündeln will. Eine Bündelung hat nicht nur niedrigere Service-, Hosting- und Wartungskosten zur Folge, sondern auch einen niedrigeren Aufwand in punkto Content Management, Webtracking, Webanalyse und Online Marketing im Allgemeinen.

SEO mit Yoast

YoastSEO ist das wohl bekannteste SEO-Plugin der Welt. Hier kann man auf jeder Seite mit nur wenigen Klicks alle wichtigen Grundeinstellungen betätigen (z.B. Indexierung, Nofollow, Noindex). Außerdem bietet Yoast die Möglichkeit, jeder Seite bzw. jedem Blogeintrag einen individuellen SEO-Titel und eine SEO-Beschreibung zu verpassen. Diese Texte werden dann auch gleich on-the-fly hinsichtlich des Vorkommens von Keywords und Länge überprüft und der User bekommt konkrete Empfehlungen zur Verbesserung.

Während Yoast bei WordPress schon seit Jahren in nahezu jeder Website integriert worden ist (bzw. wird / werden kann), war die Anzahl an praktischen Tools bei TYPO3 lange Zeit doch ziemlich beschränkt und bei weitem nicht so benutzerfreundlich.

Doch vor knapp einem Jahr wurde auch die erste YoastSEO-Version für TYPO3 auf den Markt gebracht. Während man das Plugin bei WordPress mit nur wenigen Klicks installieren kann, ist bei TYPO3 eine Kenntnis des Systems zwingend erforderlich. Hier hat TYPO3 also trotz der Existenz des Yoast-Tools noch immer Nachholbedarf gegenüber WordPress. Außerdem sind die Möglichkeiten der Konfiguration und Individualisierung noch nicht annähernd auf dem Level von WordPress.

Zusammenfassung

TYPO3 ist gewiss kein schlechtes CMS. Es erfreut sich im deutschen Sprachraum über eine große Community und daher auch über ausreichend Dokumentation und Hilfestellung. Durch die immense Modularität ist das CMS perfekt geeignet, wenn man eine Seite mit vielen verschiedenen Sprachversionen benötigt oder Inhalte länderspezifisch bereit stellen will. Die Benutzerverwaltung ist ebenfalls viel granularer als bei WordPress aufgebaut, man kann daher wirklich auf jede Seite oder jede Erweiterung bezogen bestimmen, wer Admin-, Schreib- oder Leserechte hat. Gerade in komplexen Unternehmensstrukturen kann dies ein wichtiger Entscheidungspunkt hinsichtlich TYPO3 sein.

Aber im Endeffekt ist TYPO3 ein CMS für Experten. Es verliert den direkten Vergleich mit WordPress vor allem bei Benutzerfreundlichkeit, Erweiterbarkeit und notwendigen Wartungsressourcen. Im Gegensatz zu TYPO3 ist WordPress (inkl. der Shoperweiterung WooCommerce) auch weltweit die klare #1 (derzeit auf 37% aller Webseiten) der Content Management Systeme. Dementsprechend größer und globaler ist auch das Angebot an Plugins und Erweiterungen. Wer einen Onlineshop auf die Beine stellen will, kommt nicht um WooCommerce herum.

Nachfolgend fassen wir nochmals alle Eckpunkte im Bezug auf WordPress und TYPO3 tabellarisch zusammen.

Überblick TYPO3 vs WordPress

CMSTYPO3WordPress
Veröffentlichung19982003
Aktuelle Version (9.4.2018)9.1.04.9.5
Marktanteil (Top-10.000-Websites)0.1%26.3%
Open Sourcejaja
SupportLTS (Long Term Support; 3 Jahre)Regelmäßig
BenutzerverwaltungFür komplexe Strukturen geeignetFlache Hierarchien
Content ManagementGroße Lernkurve, ohne aktive Erfahrung unmöglichKleine Lernkurve, für Einsteiger geeignet
Für OnlineshopsNicht wirklichOptimal dank WooCommerce
Mehrsprachigkeitjaja (mit Erweiterung wie WPML)
Multi-Sitejaja (mit WP Multi-Site)

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